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Arbeitsblatt zu: Kreis Böblingen>>Geschichte>>Rheinstraße Erarbeitet von: Klaus Philippscheck

Kaiser Otto stiftet den Markt zu Mauren

Hinweise zur Beschäftigung mit dem „Häseltrog“-Text im Unterricht

In der bekannt emphatischen Sprache vergangener Zeiten liegt uns mit „Kaiser Otto stiftet den Markt zu Mauren“ eine geschichtliche „Heimaterzählung“ vor, die um einige historische Aspekte herum „konstruiert“ worden ist, die aber dadurch die Möglichkeit gibt, in ihrer erzählerischen Form einiges über mittelalterliche Geschehnisse zu erfahren. Da dieser Text, wie die anderen aus dem „Häseltrog“-Band auch, anonym ist und keinen ehrwürdigen Sagencharakter hat, mögen ihn diejenigen, die mit ihm arbeiten wollen, auch formal verändern, um ihn etwas zu „glätten“.

Was kann der Text leisten?
  1. Beschäftigung mit unserer heimatlichen Umgebung, indem die in der Erzählung genannten Orte auf einer Karte gesucht werden und der kaiserliche Reisezug eingezeichnet wird. (Siehe als Beispiel eine 1 : 100 000-Karte mit dem eingezeichneten Weg.)


  2. Kaiser OttoHinweis geben auf das „Rheinsträßle“ unserer Gegend, das als Teil der mittelalterlichen Heeres- und Königsstraße zwischen den Endpunkten dieser Straße liegt: im Süden etwa die alte Kaiserstadt Pavia, in der Otto die Witwe des italienischen Königs, Adelheid, geheiratet hatte und aus der er 965, nach seiner Kaiserkrönung in Rom, wieder nach Norden zog. Sein Ziel war Köln, wohin er einen Reichstag einberufen hatte.

    Bild: Kaiser Otto zwischen italienischen Fürsten

  3. Verzahnung des Deutschen Reichs mit den Päpsten zeigen, die allein nur die Kaiserwürde vergeben konnten.

  4. Erkenntnis geben von der Riesenhaftigkeit des damaligen Deutschen Reichs mit diesem Reiseverlauf und durch die Person seiner Frau, der Kaiserin Adelheid (aus Burgund stammend und Witwe des italienischen Königs Lothar).

  5. Hinweis auf Mauren geben, damals noch eine inzwischen abgegangene Siedlung, ist schon ein sehr alter Siedlungsplatz, das zeigen römische Reste. Ob der einstmals berühmte „Bolaimarkt“ (nach dem Kirchenheiligen St. Pelagius, zu dem eine berühmte Wallfahrt führte) tatsächlich schon im 10. Jahrhundert gestiftet wurde, ist unklar.

  6. Erkenntnis ermöglichen, dass beim Ihinger Hof (heute zu Renningen gehörend) quer durch unseren Kreis tatsächlich die uralte, bedeutsame Grenze zwischen den Herzogtümern Schwaben und Franken verlief. Der im Text genannte Anselm von Nagold, der Stammvater der Pfalzgrafen von Tübingen, gehörte mit seinem Gebiet zum Herzogtum Schwaben. (Sein Sohn Hugo I. von Nagold wurde im Jahr 1007 mit dem Königsgut Holzgerlingen und dem Reichsforst Schönbuch belehnt.) Heute verlaufen hier die Markungsgrenzen zwischen Sindelfingen (damals Schwaben) und Renningen (damals Franken.)

  7. Aufzeigen, dass die ehemalige Kapelle des Ihinger Hofs also zum fränkischen Bistum Speyer gehörte, die Kirchen im Bereich des heutigen Sindelfingens dagegen zum alamannischen Bistum Konstanz.

  8. Hinweis darauf, dass die erwähnte Grenze also auch die Sprachgrenze zwischen dem Schwäbischen und dem Fränkischen ist. (siehe Karte bei Wikipedia.)

  9. Hinweis: Das Treffen Ende Januar 965 bei Heimsheim zwischen Otto und seinen Söhnen Otto und Wilhelm ist historisch verbürgt, die Söhne waren ihm bis an die erwähnte Grenze entgegengekommen; auch das Gebiet westlich von Heimsheim wird noch heute Ottenbühl genannt.

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